
Gold auf Rekordhoch über 3.500 Dollar: seine Rolle im Portfolio
Gold stieg am 2. September 2025 auf 3.526 Dollar. Neben Fonds und Beteiligungen ist es eine kleine liquide Reserve – die Form entscheidet über die Steuer.
Von Heiko Hubertz, Gründer von Valued5 Min. LesezeitAm Dienstag, dem 2. September 2025, kostete die Feinunze Gold am Spotmarkt 3.526 US-Dollar, so viel wie nie; seit Januar sind es knapp 34 Prozent mehr. Für Anleger, deren Vermögen überwiegend in Fonds, Unternehmensbeteiligungen und Immobilien steckt, ändert das weniger, als die Schlagzeilen nahelegen. Gold ist eine kleine, liquide Reserve, deren Wert von niemandes Bewertung abhängt. Wie viel davon ins Portfolio gehört, folgt aus dieser Aufgabe und nicht aus dem Kurs dieser Woche. Für deutsche Steuerpflichtige entscheidet dann die Form der Anlage, ob ein Gewinn überhaupt besteuert wird.
Warum steht Gold auf einem Rekordhoch?
Drei Dinge kommen zusammen. Die Märkte rechnen damit, dass die US-Notenbank Fed am 17. September die Zinsen senkt; am Dienstag preisten sie eine Senkung um einen Viertelpunkt mit 92 Prozent Wahrscheinlichkeit ein. Gold wirft keine Zinsen ab und steht deshalb besser da, wenn es anderswo weniger Zinsen gibt. Der Dollar ist das ganze Jahr über schwächer geworden, und der öffentliche Druck der US-Regierung auf die Fed lässt manche Anleger daran zweifeln, dass die Notenbank unabhängig bleibt.
Der dritte Grund ist älter als dieses Jahr. Die Notenbanken haben ihre Goldreserven 2024 um 1.045 Tonnen aufgestockt, zum dritten Mal in Folge um mehr als 1.000 Tonnen, wie der World Gold Council berichtet; im Durchschnitt der Jahre 2010 bis 2021 waren es 473 Tonnen. Im zweiten Quartal 2025 kamen weitere 166 Tonnen hinzu. Das ist langsamer als im Vorjahr, und die 415 Tonnen des ersten Halbjahrs liegen 21 Prozent unter dem ersten Halbjahr 2024, aber weiter deutlich über dem alten Durchschnitt. In der Umfrage des Council unter Reserveverwaltern erwarten 95 Prozent, dass die Goldreserven der Notenbanken in den nächsten zwölf Monaten steigen.
Privates Geld ist gefolgt. Der SPDR Gold Trust, der größte mit Gold hinterlegte Fonds, hielt am Dienstag 977,68 Tonnen, den höchsten Bestand seit August 2022.
Wohin der Preis als Nächstes geht, sagt nichts davon, und wir raten nicht. Dieselbe Liste von Gründen gab es auch schon bei 2.700 Dollar.
Wie sieht der Rekord in Euro aus?
Weniger spektakulär. Eine Unze kostet in dieser Woche rund 3.000 Euro. Weil der Dollar seit Januar gegenüber dem Euro gefallen ist, fällt der Gewinn eines Euro-Anlegers mit Gold in diesem Jahr deutlich kleiner aus als die 34 Prozent, die ein Dollar-Anleger sieht. Es ist der Währungseffekt, den wir im Beitrag über das erste Halbjahr 2025 für Euro-Anleger beschrieben haben, diesmal bei einem Metall statt bei US-Aktien.
Für die Rolle, die Gold spielen soll, ist das von Belang. Gold wird in Dollar gehandelt. Wer in Euro lebt, bekommt in einer Krise mit Gold immer auch die Bewegung des Dollars, und beides läuft nicht immer gemeinsam in die hilfreiche Richtung.
Was Gold neben Fonds, Beteiligungen und Immobilien leistet
Man nehme die Eigenschaften eines typischen Portfolios aus privaten Anlagen. Ein Fonds kann mit zehn Tagen Frist Kapital abrufen und zahlt es zurück, wenn der Manager es entscheidet. Eine Start-up-Beteiligung hat zwischen zwei Finanzierungsrunden keinen Preis. Eine Wohnung lässt sich verkaufen, in Monaten. Der NAV im Quartalsbericht ist eine Schätzung desjenigen, der danach bezahlt wird.
Gold ist in jedem dieser Punkte das Gegenteil. Es lässt sich an jedem Handelstag zu einem Preis verkaufen, den niemand schätzen muss. Es ruft kein Kapital ab. Es hat keinen Manager, keinen Berichtsstichtag und, physisch oder mit Lieferanspruch gehalten, keinen Schuldner. Dafür ist es in einem solchen Portfolio da: ein Baustein, dessen Wert und Verfügbarkeit nicht an denselben Personen und demselben Kalender hängen wie der Rest.
Ein Ersatz für die Liquidität, die Sie für Kapitalabrufe brauchen, ist es nicht; um die geht es in unserem Beitrag über die Liquiditätsplanung für Kapitalabrufe. Geld, das an einem festen Tag da sein muss, sollte nicht schwanken, und Gold schwankt. Nach dem Hoch von 2011 bei rund 1.900 Dollar fiel der Preis um etwa 45 Prozent auf rund 1.050 Dollar im Dezember 2015 und überschritt das alte Hoch erst im August 2020 wieder. Wer 2015 einen Kapitalabruf aus Gold bezahlen wollte, bezahlte ihn aus einem Verlust. Und Gold bringt nichts ein, solange es wartet.
Die ehrliche Größe ist deshalb klein. Die Family Offices in der UBS-Umfrage von 2025 hielten im Schnitt 2 Prozent in Gold und Edelmetallen, gegenüber 21 Prozent in Private Equity und 11 Prozent in Immobilien. Das ist eine Beschreibung und keine Empfehlung, zeigt aber, wie diejenigen mit den größten illiquiden Beständen Gold behandeln: als Reserve am Rand und nicht als Position, die die Rendite tragen muss.
Eine Rally hat für eine solche Reserve eine praktische Folge. Angenommen, Sie hatten zu Jahresbeginn 4 Millionen Euro Gesamtvermögen und davon 5 Prozent, also 200.000 Euro, in Gold. Bleibt alles andere stehen und steigt Ihr Gold in Euro um ein Fünftel, halten Sie nun 240.000 Euro oder 5,9 Prozent. Anders als ein Übergewicht in Venture-Fonds lässt sich dieses an einem Vormittag korrigieren. Ob Sie es korrigieren, hängt an dem Prozentsatz, den Sie vorher festgelegt haben. Wer nie einen festgelegt hat, sollte nicht ausgerechnet bei einem Rekordpreis damit beginnen, nach Gefühl zu entscheiden.
Der deutsche Steuerpunkt: ein Jahr, und die Form zählt
Für Privatanleger mit Wohnsitz in Deutschland ist physisches Gold keine Kapitalanlage im Sinne der Abgeltungsteuer. Der Verkauf ist ein privates Veräußerungsgeschäft nach § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG. Die Regel ist kurz: Ein Gewinn ist nur steuerpflichtig, wenn zwischen Anschaffung und Veräußerung nicht mehr als ein Jahr liegt. Danach bleibt er unbesteuert, gleich in welcher Höhe.
Innerhalb der Jahresfrist wird der Gewinn mit dem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert, nicht mit 25 Prozent. Es gibt eine Freigrenze: Liegt der Gesamtgewinn aus privaten Veräußerungsgeschäften im Kalenderjahr unter 1.000 Euro, bleibt er steuerfrei. Es ist eine Grenze und kein Freibetrag. Ab 1.000 Euro ist der ganze Betrag steuerpflichtig.
Ob die Regel gilt, entscheidet die Form der Anlage. Der Bundesfinanzhof hat am 12. Mai 2015 entschieden (VIII R 35/14 und VIII R 4/15), dass Xetra-Gold, eine Inhaberschuldverschreibung mit Anspruch auf Lieferung physischen Goldes, wie Gold selbst behandelt wird: Verkauf oder Einlösung mehr als ein Jahr nach dem Kauf sind nicht steuerbar. Die Begründung des Gerichts stützt sich auf den Lieferanspruch. Ein Produkt, das nur den Goldpreis abbildet und keinen solchen Anspruch gewährt, die Aktie eines Minenbetreibers oder ein Fonds solcher Aktien ist steuerlich etwas anderes; dort greift die Abgeltungsteuer wie bei jedem Wertpapier. Welche Art Sie halten, steht im Prospekt.
Zwei praktische Folgen. Jeder Kauf beginnt seine eigene Jahresfrist; wer in Raten kauft, hält Bestände mit verschiedenen Daten, und für Münzen im Schließfach führt keine Bank darüber Buch. Heben Sie die Kaufbelege mit Datum auf. Und ein Verlust aus einem Verkauf innerhalb des Jahres lässt sich nur mit Gewinnen aus anderen privaten Veräußerungsgeschäften verrechnen, nicht mit Gehalt oder Dividenden.
Das ist die Regel, wie sie im Gesetz und im Urteil steht, und keine Steuerberatung. Wie sie auf Ihren Fall anzuwenden ist, entscheidet Ihr Steuerberater.
Was wir tun würden
Zuerst den Anteil festlegen: einen einstelligen Prozentsatz, den Sie begründen könnten, ohne den Preis zu erwähnen. Danach die Form wählen, mit der Jahresfrist im Blick. Aufschreiben, was Sie wann zu welchem Preis gekauft haben, und zwar neben dem übrigen Portfolio, damit Gold in derselben Summe erscheint wie die Fonds und Beteiligungen, die es ausgleichen soll. Und es dann in Ruhe lassen, auch in einer Woche, in der es in den Nachrichten steht.
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