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Das erste Halbjahr 2026 aus Sicht eines Euro-Anlegers

Ölschock, erste EZB-Zinserhöhung seit 2023, festerer Dollar. US-Aktien plus 9,6 Prozent in Dollar, rund 13 Prozent in Euro; der DAX schaffte etwa 2 Prozent.

Von Valued6 Min. Lesezeit
Ein Öltanker vor Anker auf grauer See im Morgenlicht, vom Kai aus gesehen, im Vordergrund Poller.

Am Ende des ersten Halbjahrs 2026 standen die meisten Aktienindizes höher als zu Jahresbeginn, und genau dieser Satz verdeckt fast alles, was passiert ist. Ein Krieg schloss die Straße von Hormus, Brent-Öl stieg von rund 72 auf über 126 Dollar und fiel wieder zurück, die EZB erhöhte erstmals seit 2023 die Zinsen, und der Dollar gewann gegenüber dem Euro etwa 3 Prozent. Für einen Euro-Anleger wurden aus 9,6 Prozent im S&P 500 rund 13 Prozent, der DAX schaffte etwa 2.

Es folgt das Halbjahr in Zahlen, die wir prüfen konnten, und danach der wichtigere Teil: worauf Sie im eigenen Portfolio schauen sollten, jetzt, da der 30. Juni ein Stichtag ist.

Was ist zwischen Januar und Juni passiert?

Das Jahr begann ruhig. Am 28. Januar stand der Euro beim EZB-Referenzkurs bei 1,1974 Dollar, dem Hoch des Halbjahrs, und einen Tag später markierte Gold einen Rekord: 5.405 Dollar je Unze beim Londoner Nachmittagsfixing.

Am 28. Februar griffen die USA und Israel den Iran an, und der Iran schloss die Straße von Hormus für den größten Teil der Schifffahrt. Brent hatte am Tag zuvor rund 72 Dollar je Barrel gekostet. Allein im März stieg der Preis um etwa die Hälfte, am 30. April erreichte er etwas über 126 Dollar, den höchsten Stand seit vier Jahren. Die Aktienkurse fielen den März hindurch; der DAX sank auf den tiefsten Stand seit April 2025.

Das zweite Quartal hat den größten Teil davon zurückgedreht. Seit April gilt eine Waffenruhe, der Tankerverkehr durch die Meerenge läuft teilweise wieder, und Anfang Juli kostet Brent wieder weniger als 71 Dollar, so viel wie vor dem Krieg. Der S&P 500 gewann in den drei Monaten bis Ende Juni 14,9 Prozent, sein stärkstes Quartal seit dem zweiten Quartal 2020. Der STOXX Europe 600 legte im Quartal 10 Prozent zu und erreichte am 30. Juni einen Rekord.

Wo standen die Indizes am Ende?

Der S&P 500 beendete das Halbjahr 9,6 Prozent höher. Hält man das Plus des zweiten Quartals dagegen, lag der Index Ende März zwischen vier und fünf Prozent im Minus. Wer nur am 31. Dezember und am 30. Juni hinsah, hat ein freundliches, gewöhnliches Halbjahr gesehen. Wer Ende März hinsah, sah einen Verlust und einen Ölpreis, der sich fast verdoppelt hatte.

Der DAX schloss am 30. Juni bei 24.995,81 Punkten, etwa 2 Prozent über dem Stand von Ende 2025. Nach dem starken deutschen Börsenjahr 2025 ist das eine Pause. Und es erinnert daran, dass der Heimatindex und der breite europäische Markt zweierlei sind: Der STOXX 600 lief in denselben Monaten deutlich besser.

Was hat der Dollar mit der Rendite eines Euro-Anlegers gemacht?

Es ist das Spiegelbild des ersten Halbjahrs 2025, das wir vor einem Jahr beschrieben haben. Damals fiel der Dollar und nahm Euro-Anlegern den größten Teil des Gewinns am US-Markt wieder ab. Diesmal hat er geholfen.

Der EZB-Referenzkurs lag am 31. Dezember 2025 bei 1,1750 Dollar je Euro und am 30. Juni 2026 bei 1,1394. Ein Dollar kostete also zu Beginn rund 85,1 Cent und am Ende 87,8 Cent, ein Anstieg von 3,1 Prozent. Beide Effekte miteinander multipliziert, werden aus 9,6 Prozent im S&P 500 in Dollar etwa 13 Prozent in Euro, vor Dividenden.

Dieselbe Rechnung gilt für alles andere, was Sie in Dollar halten. Ein US-Venture-Fonds, dessen Nettoinventarwert sich zwischen Januar und Juni überhaupt nicht bewegt hat, ist am 30. Juni in Euro 3,1 Prozent mehr wert als am 31. Dezember. Das ist keine Leistung des Fonds, sieht in einer Euro-Auswertung aber so aus. Die Mechanik haben wir im Beitrag über USD-Fonds im Euro-Portfolio durchgerechnet.

Warum hat die EZB erhöht und die Fed stillgehalten?

Am 11. Juni hat der EZB-Rat die drei Leitzinsen um 25 Basispunkte angehoben. Der Einlagesatz beträgt seit dem 17. Juni 2,25 Prozent. Genau ein Jahr lang, seit der Senkung im Juni 2025, hatte er bei 2,00 Prozent gelegen; die letzte Erhöhung davor stammt vom September 2023. Die EZB begründet den Schritt mit dem Krieg: In ihrem Beschluss heißt es, der Konflikt erzeuge Inflationsdruck. Ihre Fachleute erwarten nun 3,0 Prozent Inflation für 2026, 2,3 Prozent für 2027 und 2,0 Prozent für 2028, bei einem Wachstum von 0,8 Prozent in diesem Jahr.

Die US-Notenbank hat sich im ersten Halbjahr nicht bewegt. Am 17. Juni beließ sie den Zielkorridor für den Leitzins einstimmig bei 3,50 bis 3,75 Prozent und hielt fest, die Inflation liege weiter über dem Ziel von 2 Prozent, auch wegen Angebotsschocks bei Energie.

Für den Eigentümer einer vermieteten Wohnung, dessen Zinsbindung in den nächsten zwei Jahren ausläuft, bedeutet der Schritt der EZB weniger, als er klingt. Zehnjährige Bauzinsen folgen den Renditen am Kapitalmarkt und nicht dem Einlagesatz; das haben wir erklärt, als die EZB noch senkte. Geändert hat sich die Richtung der Debatte. Vor zwölf Monaten lautete die Frage, wie weit die Zinsen noch fallen. Diese Frage ist vorerst erledigt.

Gold ist gefallen, zur Überraschung derer, die es als Versicherung halten

Gold erreichte seinen Rekord vier Wochen vor Kriegsbeginn und gab dann während des Krieges nach. Am 26. Juni stand es bei rund 4.072 Dollar, nach Angaben des World Gold Council etwa 7 Prozent tiefer als zu Jahresbeginn, und in der letzten Juniwoche wurde es unter 4.000 Dollar gehandelt. Der festere Dollar und steigende Zinserwartungen haben stärker belastet, als der Konflikt gestützt hat.

Im September 2025 haben wir geschrieben, die Rolle von Gold neben illiquiden Beteiligungen sei die einer Reserve, die sich verkaufen lässt, wenn sich sonst nichts verkaufen lässt. Ein Halbjahr, in dem Gold während eines Krieges fällt, widerlegt das nicht. Es zeigt aber, dass diese Versicherung einen Preis hat, der schwankt, und dass eine zum Januar-Rekord gekaufte Position im Minus liegt.

Hat sich der Exit-Markt wieder geöffnet?

In den USA auf dem Papier ja. SpaceX ging am 12. Juni zu 135 Dollar je Aktie an die Nasdaq und nahm einschließlich Mehrzuteilungsoption 86,2 Milliarden Dollar ein, der größte Börsengang, den es je gab. Die Aktienemissionen in den USA erreichten bis zum 26. Juni mit rund 251 Milliarden Dollar einen Halbjahresrekord, wie Bloomberg-Daten zeigen.

Für einen privaten LP braucht das einen nüchternen Satz. Ein Börsengang ist keine Ausschüttung. Geht ein Portfoliounternehmen an die Börse, hält der Fonds seine Aktien in der Regel unter einer Haltefrist, bewertet sie zum Börsenkurs und schüttet Monate später aus, in Geld oder in Aktien. Ihr DPI bewegt sich am Tag der Erstnotiz nicht. Die Flaute, die wir im vergangenen Jahr beschrieben haben, endet auf Ihrem Konto, wenn das Geld eingeht, und an den meisten Fonds ändert ein einzelner sehr großer Börsengang nichts.

Was Sie jetzt im eigenen Portfolio prüfen sollten

Ein Halbjahresrückblick auf den Markt taugt nur als Anlass, die eigenen Zahlen zum selben Stichtag anzusehen. Vier Prüfungen sind in dieser Woche eine Stunde wert.

  1. Halten Sie den Wert des liquiden Teils zum 30. Juni in Euro fest und trennen Sie bei den Dollar-Positionen den Währungseffekt vom Kurseffekt.
  2. Notieren Sie für jeden Fonds, welchen Stichtag der letzte NAV trägt. Meist wird es noch der 31. März sein, nahe am Tief des Halbjahrs. Die Berichte zum 30. Juni kommen ab Mitte August.
  3. Rechnen Sie den Anteil der illiquiden Anlagen am Gesamtportfolio neu aus. Die liquiden Werte sind im zweiten Quartal gestiegen, die Bewertungen der Fonds sind noch nicht gefolgt. Der Anteil ist vermutlich niedriger, als Sie denken, also das Gegenteil des Nenner-Effekts vom April 2025.
  4. Läuft die Zinsbindung eines Darlehens vor Ende 2028 aus, fragen Sie Ihre Bank nach aktuellen Konditionen. Die Antwort fällt unbequemer aus als vor einem Jahr, und es ist besser, sie zu kennen.

Das Halbjahr selbst lehrt dasselbe wie die Zollwochen 2025, auf die wir im April zurückgeblickt haben. Das Tief kam und ging innerhalb eines Quartals. Wer halten konnte, musste nichts tun, und am Tief verkaufen muss, wem die Liquidität für einen Kapitalabruf fehlt. Diese Zahl sollte man vor dem nächsten Schock kennen, nicht danach.

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